Martin Koller erstmals Schweizermeister - Spannende und gut organisierte Meisterschaften in Cham
Siegespodest SM 2012 - Michael Albasini (2. links), Martin Kohler (SM2012 Mitte), Fabian Cancellara (3. rechts)
Übers Wochenende wurden in Cham die Rad-Schweizermeisterschaften ausgetragen. Vor einer schönen Zuschauerkulisse ging am Sonntag das Rennen der Elite als Hauptprüfung in Szene. Dabei holte sich in einem hauchdünnen Spurt Martin Kohler vor Michael Albasini und Fabian Cancellara den Titel. Der Titel „Elite national“ ging an den Aargauer Silvan Dillier.
Das über 204 km führende Meisterschaftsrennen wurde auf einen welligen und kurvenreichen Rundkurs ausgetragen. Mit einem Schnitt von 43,454 km/h war das Rennen sehr schnell und es wurde auch tüchtig gesiebt: Von 95 gestarteten Fahrern erreichten nur deren 36 das Ziel.
Nachdem Schär, Saggiorato und Marguet bereits in der ersten von 22 Runden ausgerissen waren, kam es in der dritten Runde zur Vorentscheidung. 19 weitere Fahrer vermochten unter dem Tempodiktat von Fabian Cancellara und Michael Albasini das Spitzentrio zu stellen. Mit Ausnahme von Gregory Rast und Martin Elmiger, den beiden Aushängeschildern des die Meisterschaft sehr gut organisierenden RMV Cham-Hagendorn, waren damit alle Favoriten in der Spitzengruppe dabei.
[Von: August Widmer - 25. Juni 2012 um 08:18 Uhr]
BMC münzte Überlegenheit in Resultate um
In der fünftletzten Runde kam es zu einer Aufsplitterung der Spitze. Am Schluss waren es acht Fahrer, die den Schweizermeistertitel unter sich ausmachten. Dabei holte sich Martin Kohler in einem spannenden Spurt knapp vor Michael Albasini und Fabian Cancellara den Titel. „Jetzt haben wir die Meistertrikots getauscht, Letztes Jahr war ich Zeitfahr-Meister und Cancellara Strassenmeister. Jetzt ist es umgekehrt“, freute sich Kohler über seinen zweiten nationalen Titel. Der 27jährige Kohler, der an der letztjährigen Strassenmeisterschaft hinter Cancellara und Morabito Dritter geworden war, war vom BMC-Team als Sprinter gesetzt worden. Zu viert in der Spitzengruppe vertreten, vermochten die BMC-Fahrer die numerische Überlegenheit auszuspielen. „Endlich hat es geklappt. In den Jahren zuvor konnten wir unsere numerische Überlegenheit nicht ausspielen. Diesmal wollten wir uns den Schweizermeistertitel nicht entgehen lassen. Wir haben auch einiges getan, damit es diesmal klappte“, zog Kohler eine zufriedene Bilanz.
Tatsächlich waren die BMC-Fahrer auf den letzten Runden sehr aktiv. Der Spurt ging allerdings hauchdünn zugunsten von Kohler aus. „Ich war überrascht, dass Kohler die Hände so früh in die Höhe warf. Erst der Zielfilm entschied zu seinen Gunsten“, erklärte Albasini. Albasini strich heraus, dass es in der Schlussphase nicht einfach war, die Angriffe der BMC immer wieder zu kontern: „Mit Kohler, Morabito, Schär und Frank waren sie zu viert in der Spitze vertreten. Frank ging mit 15 Sekunden Vorsprung in die Schlussrunde. Vielleicht haben wir da zu rasch reagiert und ihn zu schnell wieder gestellt. Hätten wir ihn etwas an der langen Leine gelassen, hätte es vielleicht weniger Angriffe gegeben. Ich wäre sicher frischer in den Endspurt gegangen.“
Mit dem dritten Rang unterstrich auch Fabian Cancellara dass er nach seiner verletzungsbedingten Pause im Frühjahr wieder auf dem ansteigenden Pfade ist: „Mit dem Rennausgang bin ich zufrieden. Ich schaute am Schluss auf Morabito. Vielleicht wäre mehr dringelegen, wenn ich eine andere Taktik gewählt hätte.“ Aber das weiss man meistens erst im nachhinein. Immerhin bewiesen die für die Olympischen Spiele selektionierten Fahrer, dass sie in Form sind. Albasini, Cancellara und Schär waren in der Spitze dabei. Elmiger und Rast verpassten vor dem eigenen Publikum den Postabgang, konnten in der Endphase dann doch noch aufdrehen. Und Ersatzmann Kohler machte alles richtig und holte sich den Titel. „Das zeigt doch, dass ich zurecht als Ersatzmann für London aufgeboten wurde“, stellte Kohler zufrieden fest. „Ich hoffe, dass niemand von den Selektionierten ausfällt, Aber wenn es mich braucht, bin ich bereit.“ Der neue Schweizermeister bestreitet als nächstes Rennen die Polen-Rundfahrt.
Dillier holt Titel „national“
Sozusagen ein „Rennen im Rennen“ war die Ausmarchung um den Titel der „Elite national“, das Meistertrikot für die Mitglieder der nationalen Mannschaften. Das Team „EKZ“ von Kurt Bürgi wollte unter allen Umständen den in den beiden letzten Jahren durch Mirco Saggiorato (2011) und Pirmin Lang (2010) gewonnenen Titel in den eigenen Reihen behalten. Durch Dillier und Saggiorato waren sie denn auch als einziges nationales Team zu zweit in der Spitzengruppe vorne dabei. Am Schluss ging es zwischen Dillier und dem Walliser Sebastien Reichenbach von der Mannschaft „Maca Loca“ um das Meistertrikot. Silvan Dillier vermochte sich im Endspurt durchzusetzen. Für den Aargauer aus Schneisingen, dem Grenzort zum zürcherischen Wehntal, war dieser Meistertitel ein Hattrick besonderer Art: „Ich habe in diesem Jahr auf der Bahn den Titel im Omnium und auf der Strasse am Mittwoch im Zeitfahren den Meistertitel gewonnen. Dass mir nun auch noch dieser Meistertitel gewinnt, macht mich stolz und glücklich.“
Bohli einziger erfolgreicher Titelverteidiger
Martin Kohler und Silvan Dillier waren nicht die einzigen neuen Titelhalter. Bei den Frauen gab es in Abwesenheit der erkrankten Titelverteidigerin Pascale Schnider ein altbekanntes Gesicht auf dem obersten Treppchen. Jennifer Hohl gewann nämlich nach 2008 und 2009 zum dritten Male den Titel. Die Titel beim Frauen-Nachwuchs gingen bei den Juniorinnen an die Innerschweizerin Ramona Forchini. Beste Anfängerin war Nicole Koller (Eschenbach).
Bei den Masters setzte sich im Spurt einer grösseren Gruppe der frühere Elite-Fahrer Roland Reiser durch.
So gab es einzig bei den Junioren gab es eine erfolgreiche Titelverteidigung. Tom Bohli (Eschenbach), der bereits vor Jahresfrist gewonnen hatte, gewann im Spurt einer grösseren Gruppe den Titel erneut. Bohli wandelt ein bisschen auf den Spuren von Silvan Dillier: Er war am Mittwoch bereits Schweizermeister im Zeitfahren geworden und hatte vor zwei Wochen auch den Junioren-Meistertitel auf der Bahn gewonnenen. Überraschend ist dies alles nicht: Bohli spricht man ja fast wie Boonen aus .....
Die diesjährigen Rad-Schweizermeisterschaften, die bis auf Ausnahme der bereits vor zwei Wochen in Gippingen ausgetragenen U-23-Meisterschaft alle in Cham stattfanden, brachten spannenden Sport und verdiente Sieger. Der RMV Cham-Hagendorn organisierte sieben Jahre nach der letzten Meisterschaft das diesjährige Meisterschaftsrennen ausgezeichnet und wurde vor allem am Sonntag mit einem beachtlichen Zuschaueraufmarsch für seinen Einsatz belohnt.
Resultate der Rad-Schweizermeisterschaften: :
Elite:1. Martin Kohler (Sargans) 204 km in 4:42:30 (43,454 km/h), 2. Michael Albasini (Gais), 3. Fabian Cancellara (Ittigen), 4. Pirmin Lang (Aarburg), 5. Andreras Dietziker (Elgg), 6. Michael Schär (Geuensee), 7. Mathias Frank (Roggliswil), 8. Steve Morabito (Martigny) alle gl. Zeit. 9. Silvan Dillier (Schneisingen/Meister Elite national) 4:53 zurück, 10. Marcel Wyss (Zollbrück), 11. Jonathan Fumeaux (Sierre), 12. Sebastien Reichenbach (Monthey/2. Elite national), 13. Danilo Wyss, 14. Oliver Zaugg, 15. Gregory Rast (Cham), 16. Mirco Saggiorato (Ehrendingen/3. Elite national), 17. Johann Tschopp, 18. Martin Elmiger (Cham).
Masters: 1. Roland Reiser (Brütten) 93 km in 2:15:17 (41,246 km/h), 2. Yves Covi (Winterthur), 3. Thomas Maag (Siebnen).
Junioren: 1. Tom Bohli (Eschenbach) 120,9 km in 3:02:00 (39,857 km/h), 2. Dominic Von Burg (Reigoldwil), 3. David Trachsel (Basel), alle gl. Zeit.
Anfänger: 1. Patrick Müller (Wetzikon) 74,4 km in 2:02:59 (36,297 km), 2. Cyrill Kunz (Elgg), 3. Mario Spengler (Diessenhofen).
Frauen: Elite: 1. Jennifer Hohl (Rheineck) 120 km in 3:21:19 (36,03 km), 2. Andrea Wolfer (Elgg), 3. Emilie Aubry (Reigoldswil).
Juniorinnen/Anfängerinnen: 1. Ramona Forchini (Brunnen/1. Juniorin) 74,4 km in 2:11:33 (33,933 km/h), 2. Caroline Baur (Elgg), 3. Stefanie Bochsler (Solothurn). Ferner: 5. Nicole Koller (Eschenbach/1. Anfängerin).